Vergleichende Interpretation

Bildschirmfoto der Bruker Artax Spectra-Software, die für die vergleichende Interpretation genutzt wurde. Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Neben der Analyse der einzelnen Instrumente, war es auch ein Anliegen der Studie, durch vergleichende Forschungsfragen mehr über die Glas-Zusammensetzung zu erfahren:

Durch das Übereinanderlegen von Spektren, die von Messungen an unterschiedlichen Punkten der Instrumente bzw. von verschiedenen Objekten stammten, konnten diese Fragen mit Hilfe der Auswertungs-Software bearbeitet werden. Der Vergleich mit Instrumenten aus anderen Sammlungen basiert auf Forschungsliteratur (Haufe 1995) und unpublizierten Forschungsberichten des Museum of Fine Arts in Boston (Newmann 1992; Newmann 1997).

Andere Zeiten, anderes Glas in den Harmonikas

Vergleich der XRF-Spektren der leichten Elemente der Glasharmonika (Inv.-Nr. 7996, P1) und der Finkenbeiner-Harmonika (Inv.-Nr. 1988-1, P1) gewonnen durch das tragbare Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer mit Si-PIN-Detektor Bruker Titan S1 600-800 (Hardware-Einstellungen: Quelle: Rh; Analyse-Modus Soil Calibration P/N 730.0083, Phase 2: Spannung: 15 kV, Stromstärke: 29 µA, Erfassungszeit 30s; Software: Bruker Artax Spectra). Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Vergleicht man die beiden Harmonikas, so machen sich signifikante Unterschiede in der Zusammensetzung bemerkbar: Während die Glasmacher des 19. Jahrhunderts traditionellen Glasrezepten mit einer Menge Spurenelementen folgten, zeichnet sich das moderne Instrument von 1983 durch sehr reines Quarzglas aus.

Vergleich der XRF-Spektren der schweren Elemente der Glasharmonika, (Inv.-Nr. 7996, P1) und der Finkenbeiner-Harmonika, (Inv.-Nr. 1988-1, P1) gewonnen durch das tragbare Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer mit Si-PIN-Detektor Bruker Titan S1 600-800 (Hardware-Einstellungen: Quelle: Rh; Analyse-Modus Soil Calibration P/N 730.0083, Phase 1: Spannung: 45 kV, Stromstärke: 12 µA,TiAl-Filter, Erfassungszeit 30s; Software: Bruker Artax Spectra). Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Die Reinheit des Finkenbeiner-Quarzglases wird noch offensichtlicher, vergleicht man sie mit den XRF-Messungen von der historischen Glasharmonika, datiert um 1800 (Inv.-Nr. 7996). In den Spektren sind die übereinstimmenden Ausschläge grau markiert, die zusätzlichen Komponenten im älteren Instrument grün.

Ist es eine deutsche Glastrompete?

XRF-Spektren der Trompete (Inv.-Nr. 65601, P2), des Verrophons (Inv.-Nr. 2003-27T1, P1) und der grünen Platte des Glasplattenklaviers(Inv.-Nr. 45933, P4) gewonnen durch das tragbare Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer mit Si-PIN-Detektor Bruker Titan S1 600-800 (Hardware-Einstellungen: Quelle: Rh; Analyse-Modus Soil Calibration P/N 730.0083, Phase 1: Spannung: 45 kV, Stromstärke: 12 µA,TiAl-Filter, Erfassungszeit 30s; Software: Bruker Artax Spectra). Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Abgesehen von dem hohen Zinngehalt, ist das Glas der Trompete mit dem des Verrophons (Inv.-Nr. 2003-27T1) und der grünen Platte des Glasplattenklaviers (Inv.-Nr. 45933) vergleichbar. Wie im Spektrum erkennbar, stimmen vor allem die Eisen und Arsen/Blei-Verbindungen überein. Da sowohl das Glasplattenklavier, als auch das Verrophon deutschen Ursprungs sind, wurde möglicherweise auch die Trompete in derselben Region hergestellt.

Das Glasplattenklavier: Ein Instrument, viele Glassorten

Vergleich der sehr ähnlichen XRF-Spektren der leichten Elemente der kleinen rosafarbenen Platte des Glasplattenklaviers (Inv.-Nr. 45933, P1) und der Glasharmonika (Inv.-Nr. 7996, P6), der Flöte (Inv.-Nr. 58531, P1) und des Verrophons (Inv.-Nr. 2993-27T1, P1) gewonnen durch das tragbare Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer mit Si-PIN-Detektor Bruker Titan S1 600-800 (Hardware-Einstellungen: Quelle: Rh; Analyse-Modus Soil Calibration P/N 730.0083, Phase 2: Spannung: 15 kV, Stromstärke: 29 µA, Erfassungszeit 30s; Software: Bruker Artax Spectra). Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Das Spektrum der rosafarbenen Platte (P1) zeigte weniger Ähnlichkeit mit den anderen desselben Instruments, dafür mehr mit den Resultaten von der Glasharmonika, der Flöte und dem Verrophon. Sie alle haben deutliche Kali- und Mangan-Ausschläge. Die Herkunft der Flöte ist unbekannt, die anderen drei Instrumente wurden von deutschen Glasmachern hergestellte. Um diese Gläser einem spezifischen Herstellungskontext zuzuordnen, sollte es von Interesse sein, Proben für eingehendere Analysen zu nehmen und Vergleiche mit bekannten Proben anzustellen.

Vergleich der XRF-Spektren der schweren Elemente der grünen Platte des Glasplattenklaviers (Inv.-Nr. 45933, P2), der großen farblosen Platte (P3) und an der kleinen Farblosen Platte (P4) gewonnen durch das tragbare Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer mit Si-PIN-Detektor Bruker Titan S1 600-800 (Hardware-Einstellungen: Quelle: Rh; Analyse-Modus Soil Calibration P/N 730.0083, Phase 1: Spannung: 45 kV, Stromstärke: 12 µA,TiAl-Filter, Erfassungszeit 30s; Software: Bruker Artax Spectra). Foto: Deutsches Museum, C. Holzer CC BY-SA 4.0


Anders als die P1-Probe, zeichnen sich die farblose und die grüne Glasplatte durch hohe Calcium-Ausschläge aus, die vor allem im Vergleich mit denen des Kaliums deutlich werden. Zudem veranschaulichen die Spektren die Schwierigkeit, zwischen den Linien von Arsen und Blei zu unterscheiden.

Zitierweise: Charlotte Holzer, „Resultate der zerstörungsfreien Materialanalyse von gläsernen Musikinstrumenten“, in: Materialität der Musikinstrumente. Eine virtuelle Ausstellung.

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